Samstag, 25. August 2007

Loayza

Herzlich Willkommen auf unserem medizinischen Abenteuerspielplatz. Um hier zu überleben, benötigt man folgende Grundausstattung:

1. ein cangúro (Gürteltasche für drunter, drüber, im OP, bei der OP, nach der OP)


2. Sterilium (damit man die offene TBC nicht in die frische OP Wunde überträgt, obwohl das hier zum guten Ton zu gehören scheint)


3. Toilettenpapier (falls man sich traut die Sanitäranlage zu benutzen, Anna ist da tapfer! Laura verkneift bis zu Hause)


4. Tempos (für permanent laufende Nasen bei 14Grad Innerraumtemp.)


5. Stethoskop


6. Notizbuch (damit man nicht vergisst wer was hat und wer nicht)


7. MÜTZE! (schützt vor Kältekopf/Ohrenschmerzen)


8. Arzneimittel pocket, Med. span. pocket, der gute Langenscheidt für smalltalk, Essen kaufen und sich blamieren, weil richtige Zeiten und Personen leider nicht drin stehen


9. Alpakahandschuhe (als Schutzbarriere vor spackigspeckigbatzigen Bushaltegriffen)


10. eine Handvoll Soles


11. Müsliriegel und Wasser (man weiss ja nie, wie lang der Tag wird und ob man das Essen auf dem Gelände vorurteilsfrei verzehren kann)


12. Küchenmesser (falls hier mal im OP die Skalpelle/bisturis ausgehen)


13. Schlüssel (für die sichere Heimreise. Ist aber auch nicht wichtig, weil hier sowieso jeder einen Schlüssel für unser Zimmer hat)


Und das passt dann bitte alles in den canguro.


Unsere täglichen Aufgaben variieren von blöd herumstehen bis Verbände wechseln, Drainagen ziehen, zu/annähen, bei Aufnahmen mit guter Miene und möglichst intelligentem Gesicht dabeizustehen, Erdbebenopfern zu helfen, Zucker in offene Bäuche zu kippen, im OP Haken zu halten, mit dem Elektrokauter dem Chirurgen die Handschuhe durchzubrennen, versuchen unter den gegebenen Bedingungen möglicht steril zu arbeiten, bei der Visite vor 20 Studenten bloßgestellt zu werden, in Ohnmacht zu fallen, heisse Schokolade mit Fettaugen gegen die Kälte zu trinken und Atemwolken in Tierform zu hauchen, unsere Samstage mit irrwitzigen Ausreden freizuschaufeln bzw Demos gegen 6-Tage-Wochen zu organisieren.


Das Loayza an sich gehört wohl zu den ärmeren Krankenhäusern Limas. Die Patienten müssen vor der Behandlung alle notwendigen Utensilien inkl. Medikamente für die Anästhesie, EKG Elektroden und steriler Handschuhe in der Apotheke kaufen und die OP vorab an der Kasse bezahlen. OP gegen Quittung - ohne geht hier garnichts. Eine Leistenhernien-OP ist ein Schnäppchen. Für nur 95soles (24€) ist man dabei. Dieser geringe Preis wundert einen aber auch nicht, wenn man bedenkt, dass die Narkoseärzte zB nur 1/4 der Zeit im OP anwesend sind und auch Blutdruckspitzen von 200 systolisch über mehrere Minuten völlig unbeteiligt ignoriert werden.


Zum Einstieg durften wir gleich im OP das Besteck anreichen. Können vor lachen, denn wie zum Teufel heisst dieser ganze Kram? Die meisten Bestecke haben zwar deutsche Namen (Kocher, Fester, Metzenbaum, ...), jedoch hat dies keine Relevanz, wenn der Name verspanischt und unter dem Mundschutz vernuschelt wird. Gerne bekommt man dabei einen roten und heissen Kopf. Somit ist uns wenigstens einmal am Tag warm.


Weiteres in Kürze, wenn es wieder heisst:
"die Deutschen bitte in den OP!"


Anna + Laura (alias Interna Yam)

Kommentare:

Dani hat gesagt…

Liebe Anna und Laura (unbekannterweise), Euer Lima- Tagebuch liest sich sehr spannend und ist ziemlich erheiternd....Ilja hat sich den Link schon zur Arbeit schicken lassen, um sich dort ein paar amüsante Päuschen zu gönnen...Wir werden Eure Geschichten weiter verfolgen und sind schon gespannt auf die nächsten Einträge...
Viele Grüsse aus dem sonnigen und warmen Deutschland ..;-)))Dani

Anna und Laura hat gesagt…

DIE ERSTEN KOMMENTARE!!! Wir freuen uns so! Alle anderen nimmt euch mal ein Beispiel!!!
;-) Anna!

ines hat gesagt…

ok, hab mir ein beispiel genommen...
endlich schreib ich auch mal was. mir geht´s ähnlich wie dani und ilja, ich freu mich auch auf´s wochenende, dann kann ich immer eure neuen storys lesen. können eure kollegen und chefs auch deutsch? ich glaub, wenn ihr so weiter schreibt, schmeißen die euch raus... oder vielleicht geben sie sich mühe, was zu ändern?! nagut, dann strengt euch mal an, weiter so lustige texte zu schreiben...
wenn´s mit der medizinischen karriere nicht klappt, dann garantiert mit einer literarischen!
viele grüße ines!

ines hat gesagt…

was ist ein canguro?

Anna und Laura hat gesagt…

canguro sind diese bauchtaschen, ein absolutes must-have als "interna" in der chirurgie in peru, damit man immer alle wertsachen bei sich hat, auch unter der op-kleidung! unsere kollegen und chefs haben diese blog-adresse natürlich NICHT!!! gruß, anna!

Anonym hat gesagt…

Liebe Grüsse von Erich und Gaby, die gerade in Polen waren und
Erichs Geburtsstadt besucht haben.
Heute am 18.9. war die ganze Verwandtschaft hier.